Basiswissen

Infografik erstellen: Wenn die Information ins Auge springt

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83% aller Informationen nehmen wir mit dem Auge wahr. Daher sind Infografiken perfekt geeignet, uns komplexe Sachverhalte nahezubringen. Sie begegnen uns fast überall: Im Schulunterricht, in der Uni, in Unternehmen, in den Medien und sogar in der Werbung.

Was macht eine gute Infografik aus?

Allen voran muss Deine Infografik selbsterklärend sein: Auch losgelöst vom restlichen Inhalt sollte sie dem Betrachter einen Sachverhalt näher bringen. Ist es hingegen notwendig zum Verständnis eine Textpassage zu lesen oder weitere Infografiken zu betrachten, erfüllt sie wichtige Kriterien nicht.

Gute Infografiken lassen sich zudem leicht auf Plattformen teilen. Achte darauf, dass Deine Grafik über Social-Media-Buttons verfügt, sodass sie viral verbreitet werden kann. Studien haben ergeben, dass Infografiken mit einer 30 mal höheren Wahrscheinlichkeit angeklickt werden, als Texte mit gleichem Inhalt.

In diesem Beitrag erkläre ich Dir, wie Du Infografiken ganz einfach selbst erstellen kannst, damit sie den Betrachtern ins Auge springt.

Infografik erstellen – Der Aufbau

Prinzipiell solltest Du bei der Erstellung Deiner Infografik einige Besonderheiten beachten. Darunter fallen z.B. Normen, die in unserer Gesellschaft ausgelebt werden wie das Lesen von links nach rechts und oben nach unten. Darüber hinaus solltest Du in Deiner Infografik die gängigen Klischees bedienen. Damit ist gemeint, dass Du gängige Symbole so nutzt, wie sie die Gesellschaft erlernt hat. Aber beachte: Andere Länder – andere Sitten!

Beispiel: Verwendest Du in Deiner Infografik ein Stop-Schild, sollte die Farbe stets rot und nicht grün sein.

Das setzt voraus, dass Du Deine Zielgruppe und deren Gewohnheiten genau kennst. Dafür dienen Dir sogenannte Buyer Personas. Es sind erfundene Personen, die auf Recherche, Marktforschung und echten Daten Deiner Leser basieren. Wie du eine Buyer Persona erstellst, erfährst Du in unserem Beitrag: Was ist eigentlich eine Buyer Persona?

Hauptelement

Das Hauptelement einer Infografik zieht die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Es ist die Kernaussage der Infografik. Alle anderen Elemente sollten sich zurücknehmen. Sie dienen lediglich weiterer Erklärungen und besserem Verständnis.

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Unterstützende Elemente

Mit zahlreichen, unterstützenden Elementen unterstreichst Du die Geschichte Deines Hauptelementes. Achte darauf, dass diese das Hauptelement nicht überbieten. Nur mit den unterstützenden Elementen kann das Hauptelement den gewünschten Effekt erzielen.

Anordnung der Elemente

Die Anordnung der Elemente einer Infografik sind äußerst wichtig. Grundlage dafür bilden die sogenannten wahrnehmungspsychologischen Aspekte. Diese Gesetze dienen einem besseren Aufbau:

Gesetz der Nähe: Elemente, die nah beieinander liegen erfassen wir als zusammengehörig.

Gesetz der Ähnlichkeit: Elemente, die ähnlich oder gleich aussehen, werden vom Leser als Gruppe erfasst.

Gesetz der Geschlossenheit: geschlossene Formen setzen sich (visuell) stärker durch als offene.

Gesetz der Erfahrung: Greifen Sie auf bekannte Formen/ Objekte zurück, die auf Erfahrungen beruhen.

Gesetz der guten Gestalt: Formen sollten einfach, voraussehbar und gesetzmäßig gestaltet sein und keine Irritationen beinhalten.

Darüber hinaus sollten am Ende einer Infografik schwere, kompakte Blöcke sowie dunkle und feste Elemente vermieden werden. Am Anfang der Infografik sollten stets leichte Farben und dünne Linien verwendet werden.

Grafische Grundelemente

Prinzipiell besteht eine Infografik aus fünf verschiedenen Grundelementen: Punkt, Linie, Fläche, Körper und Farbe. Jede Platzierung dieser Elemente hat eine Bedeutung. Demnach gibt es keine Elemente, die keine Aussage besitzen. Gerade deshalb ist die Anordnung und Gewichtung dieser Elemente besonders wichtig:

Gewichtung durch Größe: Die Größe der Elemente sollte nur dann verändert werden, wenn es inhaltlich sinnvoll ist.

Gewichtung durch Farbe: Dunkle Objekte werden schwerer eingestuft, als helle Objekte. Folglich ziehen diese auch mehr Aufmerksamkeit auf sich. Man beachte: Das, was Leser als erstes wahrnehmen, wird als Wichtigstes eingestuft.

Gewichtung durch Kontraste: Für die Gestaltung einer Infografik lassen sich Farb,- Form,- und Größenkontraste nutzen. Sie helfen Dir bei der Strukturierung und machen Infografiken lebendig.

Farbwahl

Die Farbe ist ein wichtiges Element jeder Infografik. Sie kann Aufmerksamkeit erzeugen, Infografiken verschönern oder mit Bedeutung füllen. Dabei sind je nach Kulturkreis Farben mit unterschiedlichen Bedeutungen aufgeladen. Ebenso kann auch ein Weißraum gezielt Aufmerksamkeit auf etwas lenken. Für Europa gilt:

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Quellen: Colorpsychology und Color Meanings

Textgestaltung

Ein wichtiger Teil der Infografik ist der Text. Dabei steht die Lesbarkeit im Vordergrund. Text ist erst dann gut lesbar, wenn sich die Buchstaben gut voneinander unterscheiden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Buchstabenkombinationen, wie “rn” oder “il”, die sich stark ähneln. So solltest Du z.B. Kunstschriften vermeiden, denn diese sind oft nicht eindeutig erkennbar. Zweifelsohne sollten Faktoren wie Schriftgröße, Schriftfarbe- und Kontrast, Zeilenabstand und Zeilenlänge bei der Gestaltung ebenso beachtet werden. Zudem sollten die Textblöcke möglichst kurz gehalten werden.

Darüber hinaus gilt: Jedes Element, welches nicht intuitiv einem Begriff oder einer Zahl zugeordnet werden kann, sollte beschriftet werden!

→ Mein Tipp:
Um zu prüfen, ob eine Schriftart gut gewählt ist, empfehle ich Dir die Infografik stark zu verkleinern. Ist der Text jetzt noch relativ gut lesbar, hast Du die richtige Schrift eingesetzt!

Hintergrund

Nur mit einem passenden Hintergrund kann die Infografik funktionieren. Dafür eignen sich insbesondere Farbhinterlegungen (neutrale, harmonische Farben einer Farbfamilie) oder Abbildungen, die nicht zu unruhig wirken. Wichtig ist, dass Text vor dem Hintergrund gut lesbar bleibt.

Bausteine

Um Zahlen zu visualisieren werden häufig Balken, Säulen, Torten, Liniendiagramme oder Ablaufdiagramme eingesetzt. Bei der Beschriftung der Diagramme appellieren wir an das Gesetz der Nähe. Beschriftungen sollten in unmittelbarer Nähe der Abbildungen angebracht werden. Dafür eignen sich Legenden, die einem Diagramm häufig zugeordnet werden können.

→ Balken: Mit Hilfe von Balken werden verschiedene Werte ( z.B. Zeiten, Geld, Umsatzzahlen) dargestellt. Bei positiven Werten verlaufen sie von links nach rechts, bei Negativen umgekehrt. Die Beschriftung sollte, wenn möglich, innerhalb der Balken oder unmittelbar daneben untergebracht werden.

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→ Säulen: Ähnlich zu den Balken werden auch Säulen dazu eingesetzt Werte darzustellen. Prinzipiell werden sie von oben nach unten aufgebaut. Bei negativen Werten sollten die Säulen nach unten verlaufen. Vor allem eignen sie sich besonders um kleine Wertunterschiede sichtbar zu machen. Einziger Nachteil: Sie lassen sich nicht so gut beschriften wie Balken, denn oftmals muss bei der Beschriftung mit Zuordnungslinien gearbeitet werden. Solltest Du dennoch mit Zuordnungslinien arbeiten, empfehle ich Dir die Schriftblöcke in einem Winkel von 45° zu kippen.

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→ Torten: Tortendiagramme eignen sich hervorragend, um die Aufteilung eines Ganzen darzustellen. Wichtig dabei ist, dass sie sich immer zu 100% aufaddieren lassen müssen. Andernfalls wirken sie unglaubwürdig. Zudem sollten sie möglichst immer auf 12 Uhr beginnen.

Für das bloße Auge sind Tortendiagramme vielleicht schön anzusehen, aber leider überwiegen die Nachteile. Es lassen sich keine negativen Werte darstellen, kleine Wertunterschiede sind nicht gut sichtbar, sie lassen sich nicht besonders gut miteinander vergleichen. Darüber hinaus sollten Tortendiagramme unter keinen umständen verzerrt oder gekippt werden.

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→ Liniendiagramme ( Fieberkurven): Mittels Liniendiagrammen lassen sich primär große Mengen an Daten darstellen, die sich im Zeitverlauf ändern (z.B. Aktienkurse). Dabei werden die Werte auf einer Skala eingetragen und miteinander verbunden.

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→ Ablaufdiagramme: Ablaufdiagramme haben ihren Ursprung im Projektmanagement. Häufig werden damit Prozesse oder Abläufe dargestellt. Die Darstellung von Ablaufdiagrammen ist vielfältig: Ob vertikal oder horizontal, als Zickzack oder als Schleife, es hängt von Deiner zu erzählenden Geschichte ab!

Das Besondere bei digitalen Infografiken für Web und Mobile

Infografiken im Web sind durchaus vielfältig. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt! Von statischen Infografiken über Storytelling-Infografiken, Animations- und Videografiken bis hin zu dynamischen Infografiken und interaktiven Karten finden wir im Netz alles wieder. Die häufigste Form sind statische Infografiken.

Darüber hinaus müssen wir uns mit einer Vielzahl von Endgeräten auseinander setzen. Denn, wenn Du eine Infografik erstellst, hast du in der Regel keinen Einfluss auf die Größe des Mediums. Die Infografik muss auf dem TV genauso gut zu erkennen sein, wie auf dem Smartphone. Gerade das stellt Dich vor große Herausforderungen.

Sinnvoll ist es, Infografiken horizontal anzulegen. Sprich ein Abschnitt nach dem anderen. Somit lässt sich die Infografik gut scrollen und auf allen Geräten abspielen. Dabei ist die Gesamtlänge relativ egal. Die optimale Breite einer Infografik beträgt 600 Pixel.

Farbwahl

Zuallererst musst Du sicherstellen, dass der richtige Farbraum gewählt ist. Digitale Infografiken bevorzugen RGB oder sRGB. Mit Hilfe gängiger Software wie Adobe Photoshop oder Illustrator lässt sich RGB einfach über die Funktion “Für Web speichern” einstellen.

Schriftwahl

Für die Schrift gilt: Alles, was unter 11 Punkt Schriftgröße ist, gilt als unlesbar. Ab 16 Punkt wird das Lesen als angenehm eingestuft. Als Schriftarten eignen sich: Verdana und Tahoma, Roboto und Axel. Letztere eignet sich speziell für die Zahlendarstellung in Tabellen.

Infografik selber erstellen

Mittlerweile lassen sich professionelle Infografiken mit Hilfe sogenannter Tools relativ einfach selbst erstellen. Wir haben für Dich die gängigsten Tools getestet und verraten Dir, mit welchen Tools Du tolle Infografiken zauberst.

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Zum Artikel: Im Test: Mit diesen Tools zauberst Du tolle Infografiken

infografik erstellen→ Buch-Tipp:
Als Grundlage dieses Artikels dient das Buch “Infografik – Gute Geschichten erzählen mit komplexen Daten” von Raimar Heber. Sehr detailliert gibt er Dir Tipps & Tricks, wie Du professionelle Infografiken ganz einfach selber erstellen kannst. Reinlesen lohnt sich!

Fazit

Das Netz ist voll mit Informationen mit. Um sich von der Masse abzuheben, sind gut gemachte Infografiken sehr gut geeignet. Finden sie gefallen, werden sie sogar häufig geteilt.

Infografiken selbst erstellen ist kein Hexenwerk. Doch schlecht umgesetzt verwirren den Betrachter mehr, als dass sie ihm helfen. Die richtige Mischung macht’s! Halte Dich einfach an die oben genannten wertvollen Tipps, dann werden auch Deine Infografiken zum Hingucker!

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